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Archive for April, 2006

Kroatien: Coming-out per Zeitungsanzeige

Zagreb Über 1.000 Schwule und Lesben aus Kroatien haben sich in Zeitungsanzeigen geoutet. In den wichtigsten drei Zeitungen des Landes erschien am Dienstag eine Anzeige mit den Namen von 1.200 Unterzeichnern. Über die Namen wurde der Spruch “Ich möchte mich nicht mehr verstecken” eingefügt. Zusätzlich erhielt die Anzeige die Zeile: “Wenig unterscheidet und viel verbindet uns. Überdenke Deine Vorurteile”. Die von der Regierung und Menschenrechtsorganisationen finanzierte Anzeige, die auch in Magazinen erscheinen soll, erhält jedoch keine Nachnamen. Neben dem Vornamen sind auch Alter und sexuelle Orientierung angegeben – die Liste enthält auch Transsexuelle, Bisexuelle und Heterosexuelle, die die Aktion unterstützen. Im Sommer hatte es teils gewalttätige Proteste gegen den ersten CSD in Kroatien gegeben.

Die Nationen feiern

Im November werden mehrere Tausend Schwule aus Asien ins thailändische Phuket zu einer der weltweit größten Partys strömen.

Seit Monaten laufen die Vorbereitungen zu “Nation V.”, einem Mega-Event in Asien, das bislang in Singapur stattfand und das alljährlich tausende schwuler Partypeople anlockte. Erstmals wird es in diesem Jahr im thailändischen Ferienort Phuket stattfinden. Die Regierung des Stadtstaates Singapur hatte eine weitere Durchführung von “Nation” verboten. Die Begründung: Es stünde “dem öffentlichen Interesse entgegen”.

“Wir wollten das Verbot nicht einfach hinnehmen”, begründete Dr. Stuart Koe vom Festival-Komitee den Umzug nach Thailand. “Wir hoffen, dass die internationale schwul-lesbische Community nun in Phuket eine neue ‚Nation’ schafft, frei von Diskriminierung und in der alle willkommen sind.” Als eigentlichen Grund für das Verbot vermutet Koe die “diffuse Aids-Angst” der Regierung. Wenige Monate vor dem Verbot hatte Singapurs Gesundheitsminister Balaji Sadasivan das schwul-lesbische Festival für steigende HIV-Infektionen verantwortlich gemacht.

Simone: Schlagermaus mit Sex-Appeal

1990 sang sie für Österreich beim Grand Prix – heute ist sie die Schlager-Queen ihres Landes: Simone.

“Keine Mauern mehr” – mit diesem Titel sang sich Simone 1990 beim Eurovision Song Contest, damals noch Grand Prix d’Eurovision de la chanson, in die Herzen schwuler Schlagerfans. Für ihr Heimatland Österreich schaffte die damals gerade Volljährige einen achtbaren zehnten Platz. Zwar war das Liedchen etwas bemüht an den damaligen Umbrüchen im Osten Europas angelehnt, dennoch überzeugte die frische Blondine mit einer guten Performance. Es sollte der Startschuss zu einer erfolgreichen Schlagerkarriere in Österreich, aber auch in Deutschland und der Schweiz sein. Nach zwei Jahren Pause kommt Simone mit einem neuen Album daher: “Schwerelos”. Luftig-leichte Schlagerklänge haben die Produzenten und Komponisten Harald Steinhauer und Frankie Chinasky mit Hilfe von prominenten Textdichtern wie Joachim Horn-Bergnes und Juliane “Conny Kramer” Werding der Sängerin auf den knackigen Leib geschrieben. Atemberaubend schön ist Simone nämlich noch obendrein. Allerdings kann ich mir bei der neuen Foto-Session im Booklet den ein oder anderen Gedanken an Samantha Fox nicht verkneifen – dafür lacht mich der üppige Vorbau und Simones lasziver Blick zu sehr an.

Jamie Cullum: Nur süß?

Manche nennen ihn den “Robbie Williams des Jazz”. Jamie Cullum sieht süß aus und hat sein zweites Album am Start.

Norah Jones, Katie Melua, Michael Bublé und Jamie Cullum – so lautet die neue Generation von Sängerinnen und Sängern, die mit Jazz und Pop jonglieren und die Grenzen beider Genres kräftig aufbrechen. Viele sehen dahinter einen einzigartigen Hype, denn millionenfach verkaufte Platten rufen generell argwöhnische Kritiker auf den Plan. Cullum hat auf seinen ersten beiden Alben “Pointless Nostalgic” und “Twentysomething” vorrangig Fremdkompositionen, meist Klassiker, gesungen. Auf seinem dritten Album “Catching Tales” gibt es nun endlich hauptsächlich Eigenkompositionen. Erst vor zwei Wochen lief im ZDF ein Konzert von Cullum, in dem er auch schon ein paar seiner neuen Stücke anstimmte. Die -Musikredaktion war von der Stimme Cullums auf Anhieb – erschreckt. Da wurde mehr gequäkt als gesungen und seine Atemlosigkeit löste eher Befremden als Begeisterung aus. Da konnte man nur hoffen, dass das Album besser ausfällt.

Schwules Fremdgehen im TV

Auf dem Kanal von TraumpartnerTV geht es am Donnerstagabend heiß her. Carmen Molinar will alles über das schwule Fremdgehen wissen

Vor 14 Tagen begann das Experiment in der Sendung “Love-Check”, einem Erotik-Flirt-Kanal für Heteros, ausgestrahlt auf dem Sendeplatz von TraumpartnerTV. Moderatorin Carmen Molinar lud sich einen Schwulen in die Sendung, um mit ihm über Flirten, Beziehung und Sex zu reden. Das Publikum, dass sich per SMS ins Studio einklinken und mitdiskutieren kann, blieb bei der Stange und plauderte eifrig mit. Jetzt soll es regelmäßig einen schwulen Studiogast gehen. Der wird am 13. Oktober aus der -Redaktion kommen, und über das Fremdgehen sprechen.

Der Co-Autor des Buches “Fremdgehen macht glücklich” Christian Scheuß wird neben Carmen auf dem Sofa Platz nehmen, und erzählen, wie es Schwule schaffen, sich neben der Beziehung auch noch Sex zu holen, ohne das es zu tödlichen Eifersuchtsdramen kommt. Zahlreiche Paare haben in dem Lesebuch, das im vergangenen Jahr erschienen ist, offen über ihre Beziehungsmodelle gesprochen, und verraten, was klappt und auch, wo es nicht funktioniert.

Zum Abtanzen: Andy Bell

Das erste Solo-Album “Electric Blue” von Andy Bell ist raus. Macht der Sänger im schroffen Dance-Outfit eine gute Figur?

Mutti ist enttäuscht! “Irgendwie bleibt da nichts hängen”, sagt sie zu mir, als ich ihr das erste Solo-Album “Electric Blue” von Andy Bell vorspiele. Selbst die warme, erotische Stimme des Engländers vermag sie nicht milde zu stimmen. Auch ich vermag mich nicht so schnell mit dem Werk anzufreunden. Wie Bell schon im Interview mit mitteilte, wollte er weg von der Melancholie des letzten Erasure-Albums “Nightbird” und hin zu mehr Fröhlichkeit. Besinnlich wird es dann auch nicht auf “Electric Blue”, dafür sorgen druckvolle Dance-Beats und jede Menge Synthesizer-Spielereien. Das klingt mal mitreißend wie bei “Crazy” oder futuristisch wie bei “Love Oneself” – inklusive der stimmlichen Unterstützung von Ex-Propraganda-Sängerin Claudia Brücken.

Kirchengericht pro Homo-Segnung

Braunschweig Gleichgeschlechtliche Paare dürfen von den Pfarrern der Landeskirche Braunschweig weiterhin gesegnet werden, berichtet dpa. Der Rechtshof der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen hat die Klage mehrerer Kirchengemeinden gegen die Segnung Homosexueller abgewiesen. Die Synode hatte 2003 die Segnung erlaubt. Dabei handele es sich aber lediglich um eine Kundgebung, gegen die nicht geklagt werden könne, sagte Kirchensprecher Michael Strauß. Der Rechtshof habe die Klage daher als unzulässig verworfen. Keine Kirchengemeinde werde durch den Synodenbeschluss von 2003 gezwungen, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, sagte Strauß. Landesbischof Friedrich Weber zeigte sich über das Ende des Verfahrens erleichtert. Im Juni 2004 hatte bereits das Verwaltungsgericht der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands die Klage als unzulässig zurück gewiesen.

Erste deutsche Homo-Ehe in Spanien

Pilar de la Horadada Als erstes deutsches schwules Paar haben Uwe Klingel und Klaus Rohde in Pilar de la Haradada an der spanischen Costa Blanca geheiratet. Die beiden haben sich vor 26 Jahren in Hamburg kennen gelernt. Rohde hatte in der Hansestadt unter anderem die Homo-Beratungsstelle mit der Selbsthilfegruppe “Club Albatros” geleitet. Seit 1999 lebt das Paar an der Costa Blanca, Klingel leitet dort einen Frisörsalon. Spanien hat am 1. Juli gegen den Widerstand der konservativen Partei und der katholischen Kirche die Ehe für Schwule und Lesben geöffnet. Ende Juli hatte eine Konferenz der Staatsanwälte von spanischen Gerichtshöfen festgestellt, dass auch Ausländer heiraten dürfen, sofern mindestens einer von ihnen im Land gemeldet ist.

Kiffen und sterben

Der erste schwule Bauwagen-Roman: “total perfekt alles” von Thomas Weins geht unter die Haut.

Du braucht nicht viel für diesen Trip: vielleicht “Ton Steine Scherben” auf dem Plattenteller, eine Tüte Landwein von Aldi, schwarze Klamotten, na klar, ne Flasche Goldgeist forte, auf jeden Fall mehr als einen Joint. Thomas Weins nimmt Dich mit auf eine Reise in die Vergangenheit: Walter Momper und die nie, nie, niemals verziehene Räumung der Mainzer Straße, laute Nächte im Café Anal und der Rattenbar, die Kreuzfeld-Jakob-Sisters, natürlich das Tuntenhaus, auch das Café Victoria im AVK. Stationen im wilden, wiedervereinigten Berlin, Anfang der Neunziger.

Martin lebt in einer Bauwagen-Siedlung an der Spree, zwischen Friedrichshain und Kreuzberg, als die beiden Bezirke noch zwei waren. Seine Sozialhilfe geht komplett für Joints drauf, was zu futtern lässt sich im Container hinterm Supermarkt finden oder bringen die Engel der “Berliner Tafel” vorbei. Martins Alltag: den Ofen heizen, kiffen, Essen organisieren, kiffen, Kohlen klauen, kiffen, in die dreckige Spree pinkeln, kiffen, Plenum am Lagerfeuer, kiffen – und natürlich jeden Tag darüber spekulieren, wann der Scheiß-Senat den Platz räumen lässt.

Der Mittelpunkt von Element of Crime

Nach vier Jahren Pause erscheint das Album “Der Mittelpunkt der Welt”. Und zum ersten Mal hat die Gruppe einen Hit in den Charts.

Element Of Crime ist eine Band, die nach 20 Jahren im Musikgeschäft niemandem mehr etwas beweisen muss. Nach vier Jahren Pause präsentiert die Band mit “Der Mittelpunkt der Welt” ihr neues Album. Und erstmals in ihrer langen Karriere ist der Gruppe etwas gelungen, was nicht nur viele Fans verblüfft. Sie hat einen kleinen Hit in den deutschen Single-Charts gelandet: “Delmenhorst”. “In den 80ern kam jedes Jahr eine neue Element-of-Crime-Scheibe raus. Das kann man mit steigendem Erfolg nicht mehr beibehalten”, sagte Sänger Sven Regener kürzlich zur dpa über die bisher längste Pause zwischen zwei Alben. «Man macht zwei lange Tourneen und spielt Festivals – da bleibt kaum Zeit zum Schreiben. Und wenn man schon zehn Platten gemacht hat, dann sollte man sich genau überlegen, was man dem noch hinzufügen will.”

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