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Archive for April, 2006

Lesbe wird Parteivorsitzende

Toronto Eine offen lesbisch lebende Politikerin ist an die Spitze der Neu-Demokratischen Partei in der kanadischen Region New Brunswick gewählt worden. Die mit 248 von 397 Stimmen gewählte Allison Brewer hat jahrelang für die Rechte von Homosexuellen gekämpft: ob privat als Leiterin einer Abtreibungsklinik, beruflich als zwischenzeitliche Journalistin oder politisch als Vertreterin bei einer UN-Konferenz zu Frauenrechten. Bei dieser Konferenz 1995 in Peking wurde sie weltbekannt, als die Behörden sie kurzzeitig einsperrten, da Brewer ein Transparent hielt mit der Aufschrift: Lesbenrechte sind Menschenrechte. Brewer hat drei erwachsene Kinder. Sie hofft, mit ihrer Partei entgegen jetzigen Umfragen stärkste politische Kraft in New Brunswick zu werden – dann würde sie die erste homosexuelle Ministerpräsidentin in Kanada.

Kinostart: You I Love

Eine Hetero- Homo-Dreierbeziehung auf Russisch. Die witzig inszenierte Story zeigt das verrückte Liebesleben moderner Moskauer.

Das Moskau von heute ist ein anderes, als wir es im Kopf haben. Kein dauerdepressiver Moloch mit grauen Hausfassaden, Plattenbauten und darin lauter verhärmte verarmte Menschen. Das neue Moskau ist eine Metropole, in der die gleichen Regeln gelten, wie in Paris, London oder Berlin. Alle wollen das schnelle Geld, besonders die jüngeren. Sie wollen sich Dinge leisten können, glücklich sein, eine gewisse Position erreichen. Sie arbeiten lange, gehen zum Fitness-Training, speisen in Restaurants, genießen Sex, Drugs

Paul McCartney: Nostalgisches Chaos

Die Beatles-Legende hat ein neues Album: “Chaos And Creation In The Backyard”.

Schon bei den ersten Takten zum neuen Album “Chaos And Creation In The Backyard” von Paul McCartney weht einem ein nostalgischer Wind ins Gesicht: Bei “Fine Line”, gleichzeitig auch die Single aus dem ersten Studio-Werk seit 2001 spielt McCartney mit Sounds wie man sie in den 70er Jahren vom Electric Light Orchestra zu hören bekam. Der Einfluss von Jeff Lynne ist frappierend – welche Ironie, denn schließlich sagte man Lynne und seinen ELO-Mannen eine gewisse Affinität für die Beatles nach. Auch ansonsten hat sich McCartney kräftig aus der Kiste des Altbewährten bedient. “Chaos And Creation” bietet in allen Bereichen hochgradig kompetentes Songwriting, wie man es von einem alten Hasen wie dem Ex-Beatle gewöhnt ist. Auch die Musik – mal fett produziert wie bei “Fine Line”, dann wieder sparsam, folkig, wie bei “Jenny Wren”, bildet da keine Ausnahme. Allerdings besinnt sich McCartney zum Glück auf seine beste Solo-Phase, den frühen 70er Jahren, statt die blasseren Pop-Phasen aufleben zu lassen.

Bushido macht Rückzieher

Berlin Die Songzeile “Ihr Tunten werdet vergast” des Berliner Rappers Bushido wird nach Rücksprache mit dem Künstler nicht veröffentlicht. Das erfuhr in einem Telefongespräch mit einem Mitarbeiter von Urban Records/Universal. Zuvor hatte die Plattenfirma folgendes Statement von Bushido verbreitet: “Die aktuell in den Medien viel zitierte Textzeile ‘Ihr Tunten werdet vergast’ befindet sich weder auf meinem Album ‘Staatsfeind Nr.1′ noch auf irgendeiner anderen CD.” Dass die “Welt am Sonntag” die entsprechene Zeile aus “einem neuen Stück” zitierte, erklärte der Universal-Mitarbeiter gegenüber damit, dass sie in der Originalversion des Stückes enthalten gewesen sei. Die Zeile habe sich gegen konkurrierende Rapper gerichtet, so wie Beschimpfungen aller Art im Berliner Rap üblich seien. Die Firma gab an, noch eine Pressemitteilung herauszugeben, die die “Missverständnisse aufklären” sollte – verschickte aber doch nur das Bushido-Statement erneut. In der Mitteilung sagte der Rapper weiter: “Hiermit weise ich – Bushido – die immer wiederkehrenden Vorwürfe und Vorverurteilungen der Schwulenfeindlichkeit, dem Aufruf zu Gewalttaten, der Frauenfeindlichkeit und der absurden Behauptung ich wäre rechtsradikal strikt zurück.” Unklar ist, ob der Rapper die Zeile live gesungen hat und ob sie auf beispielsweise an Journalisten verschickte Demos enthalten war – auch das könnte für die Staatswanwaltschaft genügend Grund zur Einleitung von Ermittlungen sein.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien gab indessen am Mittwoch bekannt, dass sie Bushidos Album “Vom Bordstein bis zur Skyline” aus dem Sommer 2003 auf den Index gesetzt hat. Die Indizierung werde an diesem Freitag im “Bundesanzeiger” veröffentlicht und damit rechtskräftig. Seit 2004 setzte die Bundesprüfstelle damit bisher zehn Titel aus dem Berliner “Gangsta-Rap”-Umfeld auf den Index. Die CDs oder Musikvideos dürfen damit nur noch unter der Ladentheke an mindestens 18-Jährige verkauft, sie dürfen nicht beworben und versendet werden. Allerdings sind die Werke seit einiger Zeit auf dem Markt und in Tauschbörsen erhältlich und längst in den Händen von Kindern und Jugendlichen.

Posse um Ludwig II. beendet

München Der Gerichtsstreit um eine eventuelle homosexuelle Affäre Ludwig II. ist am Mittwoch mit einem Vergleich beigelegt worden. Vor dem Landgericht München I einigten sich ein Urenkel eines Oberstallmeisters des bayerischen Märchenkönigs und der Verleger eines Buches, in dem Ludwig II. eine homophile Verbindung mit jenem Bediensteten, Maximilian Graf von Holnstein, unterstellt wurde. Der Vergleich sieht vor, dass entsprechende Äusserungen in zukünftigen Auflagen entfallen. Bereits gedruckte Ausgaben des Buches sollen einen Beizettel des Urenkel erhalten, der auf die von ihm empfundene Ehrenrührigkeit der Textstelle hinweisen soll. In dem Buch “Geschichte in Liedern – Eine Zeitreise durch die Oberpfalz” hatte der Schwandorfer Heimatchronist und Autor Alfred Wolfsteiner über den Oberst-Stallmeister geschrieben: “Der Preußenfresser Johann Baptist Sigl nennt ihn gar Lolus – Anspielung auf Lola Montez und eine homophile Verbindung Ludwigs II. zu Holnstein.” Sein Urenkel hatte der “Münchner Abendzeitung” dazu gesagt: “Man weiß ja um gewisse Züge von Ludwig II.”, aber es gehe auf keinen Fall an, dass sein Vorfahre “da mit reingezogen wird”. Obwohl das Gericht nach Angaben der “Süddeutschen Zeitung” im Prozess klar zu erkennen gab, dass die Klage keine Aussicht auf Erfolg gehabt hätte, einigten sich die Parteien auf den Vergleich.

Kleopatra eine Transe?

Leuven Ein 2050 Jahre altes Reliefbild von Kleopatra sorgt unter Wissenschaftlern für Aufregung, weil es die ägyptische Königin als Mann darstellt. Bisher gibt es erst zwei ähnliche Funde. Das 34 mal 25 Zentimeter große Objekt wurde wahrscheinlich in Tell Moqdam ausgegraben, einer ägyptischen Stadt, die die antiken Griechen Leonton Polis nannten. “Das Objekt zeigt Kleopatra als männlichen Pharao mit der doppelten Krone und einem Löwen, der auf einem Sockel liegt”, so Willy Clarysse von der katholischen Universität Leuven zum australischen Sender ABC. Der Professor führte eine Analyse des Fundes durch. Manche Wissenschaftler argumentieren, dass die Darstellung als Mann eine Strategie der Königin war, um ihre Autorität herauszustellen. Clarysse glaubt jedoch, die Geschlechtsumwandlung könnte auch auf der Faulheit des Bildhauers beruhen: “Bis 51 vor Christus hat der Vater von Kleopatra, Ptolemaios XII, regiert. Als er starb, war das Relief schon fertig. Der Künstler hat daraufhin den Namen des Herrschers geändert, aber nicht das Bild.” Die Ergebnisse der Untersuchung sollen im kommenden Jahr in der deutschsprachigen Zeitschrift “Antikwelt” veröffentlicht werden.

Ray Charles: Perlen aus dem Jenseits

Der König ist tot – es lebe der König. Auf “Genius

Wuff: Ein schwuler Hund am Strand

Fabian Schwinger ist der schwule Leadsänger der Newcomer-Band Hund am Strand. Ein Interview mit dem witzigen Typen.

Spontan fiel mir beim Thema “Strand” ein, dass man zum Pinkeln manchmal ins Meer geht – machst Du so etwas?

Nein, um ehrlich zu sein, war ich auch schon lange nicht mehr am Meer. Aber ich mache so etwas natürlich nicht. Ich habe aber gehört, wenn man beim Duschen pinkelt, soll das ganz gut für die Füße sein – desinfizierend.

Ein Titel auf dem neuen Album heißt “Erklär’ mir die Welt”. Mach das mal.

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Beck bleibt im Amt

Berlin Volker Beck ist in seinem Amt als Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion bestätigt worden. In einer Kampfabstimmung setzte sich der offen schwule Politiker am Dienstag bei einer Fraktionssitzung in Berlin gegen den Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger, durch. Beck bekam 34 der 51 Abgeordneten-Stimmen, Berninger nur 17.

Die Sex-Fantasien des Tom of Finland

Die gesammelten Comics des schwulen Künstlers sind jetzt in einem handlichen fünfbändigen Reprint zu haben.

“Ich bekomme keine Erektion, wenn ich zeichne. Ich weiß, das ist nicht gut.” Tom of Finland, der Zeichner der geilsten schwulen Sexfantasien aller Zeiten war es, der einst dieses besondere Geständnis machte. Dabei bezog er die Bilder, die er aufs Papier brachte, aus seinen eigenen Begierden. Touko Laaksonen, der Junge, der als Tom of Finland berühmt werden sollte, begann bereits mit fünf Jahren Cartoons zu zeichnen. Touko wusste schon früh, dass Männer ihn interessieren, und so ist es kaum verwunderlich, dass seine bevorzugten Modelle echte Kerle aus seiner Heimat Finnland waren. Er studierte Kunst in Helsinki und arbeitete erfolgreich in der finnischen Werbeindustrie. Im Verborgenen arbeitete er aber immer weiter an seinen zunehmend erotischer werdenden Zeichnungen hyper-maskuliner Männer.

Als er 1957 einige seiner homoerotischen Bilder im amerikanischen Magazin Physique Pictorial unter dem Pseudonym Tom of Finland veröffentlichte war die Legende geboren. Bis in die späten sechziger Jahre wurden Toms “schmutzige Zeichnungen” zu einer Art Norm für homosexuelle Kunst und Toms Männer zur Schablone eines neuen schwulen Selbstbewusstseins. Seine Darstellung von Matrosen, Highway policemen und anderen Macho men hat den Idealtypus des schwulen Ledermanns zumindest an der US-Westküste in den 70er Jahren stark geprägt. Toms Kunst spielt bis heute eine wichtige Rolle in Sachen Selbstvertrauen, positiver Selbstdarstellung und Öffnung der Gay-Community.

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