Der deutsche Schauspieler, der in Hollywood lebt, plaudert über schwules Kino und Kollegen, über Madonnas größten Fehler und Chers letztes Konzert.
Von Christian Scheuß
Udo Kier (61), der Mann mit dem stechenden Blick, hat in seiner internationalen Karriere in weit über 160 Kinofilmen mitgespielt. Er ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, die es via Hollywood zu Weltruhm brachten. Er spielte an der Seite von Nicole Kidman, John Malkovich, Arnold Schwarzenegger und vielen anderen. Ende April war er zum ersten Mal Jurymitglied beim internationalen schwul-lesbischen Filmfestival im italienischen Turin. Wir plauderten mit dem Schauspieler über Kollegen, Starallüren, Arbeiterkneipen und natürlich über Madonna./
In weit über 160 Filmen bist du zu sehen, von Atempause keine Spur. Was steht im Moment an?
Ich drehe seit zwei Jahren eine Kinderserie für die ARD, im Juni geht es in die Produktion der dritten Staffel mit 13 Folgen. Die Serie heißt “Vier gegen Z”. Ich bin Z, und spiele natürlich den Bösen, der unter der Stadt im Untergrund lebt. Ich habe gerade einen Pilotfilm für den amerikanischen Sender Fox gedreht für eine Serie, die “13 Gräber” heißen wird. Es geht darin um das Gold der Inkas. Im Sommer bin ich in Köln bei Dreharbeiten zu Wilhelm Tell mit dabei…
Du machst bei Polizeiruf-Krimis mit, du stehst für Lars von Trier vor der Kamera. Du bist in Low Budget oder in Hollywood-Produktionen dabei. Das ist eine unglaubliche Bandbreite…
Ich bin da wie ein Fabrikarbeiter. Es gibt viele Schauspielerkollegen, die sagen, mit Lars von Trier würde ich auch gerne mal drehen. Ist doch klar. Ich hätte in den Sechziger Jahren auch gerne mit Hitchcock gedreht. Ich hatte immer das Glück, zur richtigen Zeit auf die richtigen Leute zu treffen. Ich bin ja überhaupt nicht ehrgeizig, im Gegenteil. Ich traf auf Rainer Werner Fassbinder in einer Kölner Arbeiterkneipe, da war er 15 und ich 16. Ich hatte Glück im Flugzeug neben Paul Morissey zu sitzen, der meine Nummer haben wollte, und sie dann mangels Papier in seinen Pass geschrieben hat. Entstanden sind dann mit ihm Andy Warhols Filme “Dracula” und “Frankenstein”. Während der Berliner Filmfestspiele auf einer Party von Christoph Eichhorn traf ich Gus Van Sant, der mir dann eine Rolle in “My Own Private Idaho” anbot. Ich habe nie Bewerbungsbriefe an Regisseure geschrieben. In meinen 40 Jahren Schauspielarbeit habe ich eines gelernt: Die Regisseure wollen ihre richtige Besetzung selber entdecken.