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DOerian Blues

Aber das erste, was Ihr über mich wissen solltet, ist: Ich bin schwul, und ich bediene das typische Klischee eines Schwulen. Ich habe eine Vorliebe für Mode und ich hasse Sport. Und schon ist man mitten drin im Film. Wer uns in den Film so unvermittelt hineingezogen hat? Dorian ein weicher, lebensfroher und witziger Typ, der mit Vorliebe fliederfarbene Hemden trägt.

DOerian BluesFilmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Der Dorian Blues wird von Regisseur Tennyson Bardwell ziemlich flott angespielt, er reisst uns zunächst mitten in eine Beerdigung und hüpft rhythmisch weiter mitten ins Familienleben von Dorian. Und ehe man sich versieht, steckt man bereits mitten in dessen Coming Out Geschichte, die eines Abends beim Abendessen der Familie ihren spürbaren Anfang nimmt. Zum ersten Mal in meinem Leben verspürte ich den Drang zu widersprechen, sagt Dorian, der von einer Sekunde auf die andere das Diktat seines Vaters nicht mehr ertragen kann. Und je mehr ich diesen Drang bekämpfte, um so mehr wuchs er…

00010650_02.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Am homophoben, kleinkarierten Vater, der in der Familie ein strenges Regiment führt und es nicht duldet, dass man anderer Meinung ist, wird sich Dorian von nun an abarbeiten, in der Hoffnung von ihm einmal so akzeptiert zu werden, wie er ist. An diesem Tag beim Abendbrot, als der Vater wieder einen seiner wohlgefälligen Vorträge über die US amerikanische Politik hält, platzt es aus Dorian heraus: Das sehe ich anders. In diesem Moment begreift Dorian, dass auch er anders ist: An diesem Abend kam mir die Erleuchtung, dass ich schwul bin.

Das Spielfilmdebüt von Tennyson Bardwell erzählt auf erfrischende, mit viel Humor gewürzte Weise von einem Coming Out eines Teenagers in einer typischen US amerikanischen Kleinstadt. Tennyson Bardwell, selbst in einem solchen Szenario aufgewachsen, glaubte bis zu seinem Weggang von Zuhause fest daran, dass Homosexualität ein Mythos ist. Doch wie kann ein Nicht Schwuler ein Coming Out auf eine solch authentische Art und Weise erzählen, humorvoll und gleichzeitig einfühlsam? Als Bardwell damals aufs College ging, lief er als erstes einem jungen Mann namens Brian Varga in die Arme, der zu einem seiner besten Freunde werden sollte.

00010650_03.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Varga war schwul und hatte auch keine Scheu dies ohne Umschweife zuzugeben. raquo;Er war für mich wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt!, beschreibt Bardwell seine erste Begegnung mit Varga. Damals wusste er noch nicht, was für eine intensive Zeit sie miteinander verbringen würden. Seinem Freund Brian Varga hat Tennyson Bardwell diesen Film gewidmet, er bildete die Grundlage für die Figur und die Geschichte des Dorian im Film. Varga verstarb 1991 an den Folgen der Immunschwächekrankheit AIDS. Doch anders als im Film reagierte Brian Vargas Familie auf das Coming Out ihres Sohnes liberal, sie unterstützte ihn. Und anders als im wahren Leben schützt sich Dorian im Film vor dem Risiko einer HIV Infektion so macht Bardwell im Film möglich, was er als Freund auch im richtigen Leben gern beeinflusst hätte: Es scheint als ob Tennyson Bardwell über den Film mit der harten Realität des Lebens, die ihm seinen Freund nahm, eine Art Frieden schliesst. Durch den Film lässt er aber auch Brian wieder auferstehen, lebendiger als eine Erinnerung sein kann, sprühend vor Lebenslust. Ein berührender persönlicher Abschied und ein Anfang für viele junge Schwule im Publikum, denen dieser schwierige Schritt des Coming Outs noch bevorsteht, und denen der Film vielleicht hilft, dass der Schritt ein bisschen erträglicher wird. Beginnen frei zu sein, kann man nun mal nur, wenn man sich mit dem auseinandersetzt, was einem das Leben zur Hölle macht.

00010650_04.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Durch die beiden gegensätzlichen Arten des Erzählens, die im Film eingesetzt werden, erreicht Bardwell die Balance zwischen komischem und tragischem Moment, die es braucht, um nicht im Banalen zu verpuffen. Der erste Teil, in dem Dorians Entwicklung beschrieben wird, ist eher der Komödie verhaftet, der zweite Teil ist langsamer erzählt, gewürzt mit etwas Pathos, ohne dass der Humor aus dem ersten Teil verloren geht. Bardwell war es wichtig, den Film gut auszubalancieren, um auch ein breites Publikum anzusprechen, das über ein homosexuelles Klientel hinausgeht.

00010650_05.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Der Film erzählt eben auch die Geschichte von der Auseinandersetzung zweier Brüder, die beide auf ihre Art dem Machtanspruch ihres Vaters und der Sprachlosigkeit ihrer Mutter, die sich selbst und ihre Söhne dem Doktrin ihres Mannes ausliefert, schutzlos ausgesetzt sind, am Ende aber wie Pech und Schwefel zusammenhalten. Da ist Nicki (Lea Coco), der dem Erfolgsdruck seines Vaters ausgesetzt ist, ein Vater der das eigene Versagen an seinem Sohn wieder gut machen will und dafür über Leichen geht. Und eben Dorian (Michael McMillian), der neben Nicki gar nicht zu existieren scheint, und der permanent um die Aufmerksamkeit seines Vaters buhlen muss.

00010650_06.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Beide Brüder lehnen am Ende wie zwei Mikadostäbchen aneinander und bemühen sich darum, nicht umzufallen, als der stirbt, der beiden wenn auch auf verschiedene Art und Weise das Leben zur Hölle gemacht hat. So ist es am Ende Dorian, der seinem Vater ähnelt: Hart und ignorant steht er im Garten des Hauses, in dem er aufgewachsen ist, sein Vater hatte ihm bis zum Schluss die Anerkennung verweigert. Nicki, der immer der männliche starke Typ war, die Sportskanone, der Frauenheld, der Stolz seines Vaters, verliert am Ende sein Stipendium Zum ersten Mal im Leben war er nicht gut genug, schliesslich hatte er nie gelernt, für sich selbst zu kämpfen. Er bricht zusammen, als er erfährt, dass sein Vater an den Folgen eines Herzinfarktes starb, kurz nachdem er von Nickis Rausschmiss gehört hat.

00010650_07.jpg>Filmausschnitt von Dorian Blues (c) Pro Fun Wenn die, die uns die Auseinandersetzung verweigern, einfach so gehen, lassen sie uns allein mit einem Haufen ungeklärter Fragen und mit viel Wut im Bauch zurück. Doch jeder ist selbst für sein eigenes Leben verantwortlich und in dem Moment, wo einem das bewusst wird, hat man die Möglichkeit die Flügel auszubreiten, um seiner Vergangenheit endlich davonzufliegen. Nur sollte man dabei nicht vergessen, woher man gekommen ist. Auch die Mutter der beiden ungleichen Brüder wird am Ende endlich ihre Flügel ausbreiten und ihrem Schatten davonfliegen…

Dorian Blues wurde auf verschiedenen Internationalen Filmfestivals mit neun Preisen ausgezeichnet, u.a. als Bester Spielfilm beim OUTFEST Filmfestival in Los Angeles.

Dorian Blues

Veröffentlichung: Pro Fun Media 28.11.2006 Spielfilm, FSK 12 USA 2004, 85 Minuten

Buch und Regie: Tennyson Bardwell Kamera: Mark Daniels Darsteller: Michael McMillian, Lea Coco, Mo Quigley, Steven Charles Fletcher

Special Features: Geschnittene Szenen, deutscher Kinotrailer; Original Kinotrailer, Galerie, Trailershow, animierte Menüs Ton: Dolby Digital Stereo Bildformat: 16:9 anamorph DVD Typ: DVD 9, Ländercode PAL0

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