KELLER Teenage Wasteland
Die junge Wiener Regisseurin Eva Urthaler erzählt in ihrem Debütfilm eine Geschichte über das Erwachsenwerden und die daraus resultierenden Konflikte. Vom steinigen Weg aus der Zeit des unbedarften Kindseins in ein Leben, das die übernahme von Verantwortung verlangt und Fehler nicht mehr verzeiht. Was an dem Film wirklich überraschend ist, dass er aus der Feder einer Frau stammt, die versucht hat die Perspektive zweier Jungen einzunehmen, die begonnen haben, die Kontrolle über ein Machtspiel zu verlieren, das von Gewalt und Begierde bestimmt ist.
Wenn Eva Urthaler gefragt wurde, warum sie ausgerechnet versucht hat, in die Psyche zweier Jungen und nicht etwa in die zweier Mädchen zu schlüpfen, lautete ihre Antwort: Frauen sind mir zu nahe. über Jungs kann man da etwas abstrahieren. Aber ob diese Abstraktion reicht, eine glaubwürdige Geschichte zu inszenieren? Das Drehbuch wurde jedenfalls mit dem raquo;Step by Step Award des Berliner Medienbords ausgezeichnet und hatte nicht nur den Wiener Produzenten Franz Novotny überzeugt, sondern auch einen deutschen und italienischen Co Produzenten.
Die Geschichte dreht sich um zwei Jungen, die gegensätzlicher nicht sein können: den rebellischen Sebastian, und den schüchternen Paul. Gemeinsam ziehen die beiden Einzelgänger nach der Schule aus Langeweile um die Häuser. Bis sie eines Nachts eine Kassiererin entführen fast unfreiwillig und aus übermut. Die junge Frau hatte sie kurz zuvor beim Stehlen einer Schnapsflasche erwischt. In einer verlassenen Fabrikhalle halten sie die Frau schlieszlig;lich gefangen, gefesselt an einen Stuhl. Beide können der Verlockung nicht widerstehen, Macht über jemanden auszuüben und beginnen die Frau zu demütigen. Doch Paul hält Sebastian immer wieder zurück, wenn dieser beginnt, den Bogen des Erträglichen zu überspannen. Die Situation entgleitet den beiden Jungen zunehmend als Sebastian mit ansehen muss, wie sich sein Freund Paul, den er liebt und körperlich begehrt, dem Opfer zunehmend widmet …
Die beiden, damals erst 16 Jahre jungen Schauspieler fand die Regisseurin nach vielen Castings (u.a.a. in österreich) schlieszlig;lich in Berlin. Als sie Ludwig Trepte und Sergej Moya zum ersten Mal begegnete, war für Eva Urthaler sofort klar, die perfekte Besetzung für ihre beiden Hauptfiguren gefunden zu haben. Beide hatten bereits Kino Spielerfahrung und wurden schlieszlig;lich für ihre schauspielerische Leistung in Keller beim Max Ophüls Festival mit dem Award für die Besten Nachwuchsdarsteller 2006 ausgezeichnet. Dass es den Produzenten gelungen ist für den Film den bereits 77 Jahre alten italienischen Kameramann Alfio Contini zu verpflichten, grenzt an ein Wunder. Schlieszlig;lich hat dieser mit Filmemachern wie Michelangelo Antonioni, Wim Wenders und Liliana Cavani zusammengearbeitet, u.a. belichtete er das Zelluloid für Filme wie Jenseits der Wolken und Der Nachtportier. Auch den groszlig;artigen österreichischen Schauspieler Georg Friedrich, der schon für Barbara Albert (Böse Zellen), Ulrich Seidl (Hundtstage)und Michael Haneke (Wolfszeit, Die Klavierspielerin) vor der Kamera stand, muss das Drehbuch überzeugt haben.
Doch der Film hat auch seine Schwächen, gerät an seine Grenzen, verliert genau da, wo die Nähe der Regisseurin zu den fiktiven Figuren gefragt gewesen wäre. Wie hätte der Film sich wohl angefühlt, hätte Urthaler auf das Abstrahieren verzichtet und die beiden Hauptrollen tatsächlich mit zwei Mädchen besetzt? Fakt ist, dass die Biografien der einzelnen Figuren, das Warum nicht wirklich erfahrbar bzw. fühlbar wird. über Sebastian erfahren wir fast nichts, seine Biografie wird im Dialog verpackt, Pauls Zuhause wirkt künstlich hergestellt, die Kassiererin spielt zwar phantastisch, ihr nimmt man aber ihre Biografie nicht ab. Die Figuren haben trotz groszlig;artiger schauspielerischer Leistung viel zu wenig Raum, sich glaubhaft zu entfalten. Wunderbare kleine poetische Momente etwa wenn Sebastian durch den Supermarkt zu fliegen scheint werden nicht konsequent in eine Form gebracht. Am unglaubwürdigsten wird der Film in dem Moment, wenn die seit Tagen an den Stuhl gefesselte und ungewaschene Kassiererin sich sofort nach ihrer Befreiung Paul schnappt und mit ihm dankbaren Sex hat, während der gefesselte Sebastian zuschauen muss.
Zu wenig authentisch, um authentisch zu sein und zu wenig künstlich, um künstlich zu sein, aber sehr gute Schauspieler, eine gute Idee und eine Menge Leute, die an das Talent einer unbekannten jungen Regisseurin geglaubt und die Finanzierung eines Filmes auf die Beine gestellt haben, dessen Umsetzung andere gar nicht erst wegen des zu groszlig;en Risikos in Erwägung gezogen hätten. All das verdient groszlig;en Respekt, den viele internationale Filmfestivals der jungen Regisseurin und diesem Film auch erwiesen haben. Talent hat die Regisseurin, aber das wird sich möglicherweise erst in ihrem zweiten Film, vielleicht sogar mit sehr viel weniger internationalem Druck und weniger groszlig;en Namen gedreht, richtig entfalten.
Keller Teenage Wasteland Deutschland, österreich, Italien, 92 Minuten, FSK 16
Vö 05 / 2008, Pro Fun Media
Buch amp; Regie: Eva Urthaler Darsteller: Ludwig Trepte, Sergej Moya, Elisabetta Rocchetti, Georg Friedrich
Sprache: Deutsche OFamp;#8232; DVD Extra: Making of amp; Interview mit der Regisseurin; Interviews mit Elisabetta Rocchetti, Sergej Moya, Ludwig Trepte und Georg Friedrich


This is default description text on Padangan Themes, of course you can change this text via you profile administration.