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Neu auf DVD Hard Pill

In den USA werden heute noch wissenschaftliche Studien zur Heilbarkeit von Homosexualit?t unterst?tzt, obwohl auf Empfehlung der American Psychological Association (APA) Homosexualit?t bereits im Jahr 1973 von der Liste der Geisteskrankheiten gestrichen wurde. So werden in den USA Hormon Experimente an Schafen durchgef?hrt: Man injiziert Schaff?ten pharmazeutische Stoffe, um die Sexualhormone in deren Gehirnen zu ver?ndern. Kurz: Man will nachweisen, dass Schafe umpolbar sind. Bei einem Erfolg sei nach Ansicht der an diesem Experiment beteiligten Wissenschaftler das Prinzip auch auf den Menschen ?bertragbar.

Neu auf DVD Hard PillDas gleiche Ziel, wenn auch auf andere Art und Weise, verfolgt der US amerikanische Psychotherapeut Joseph Nicolosi, der der so genannten raquo;Ex Gay Bewegung angehört. Er will in den letzten 25 Jahren bereits mehr als 1000 homosexuelle Männer umgepolt haben. Bei der so genannten raquo;Reparativen Therapie sei laut Nicolosi eine grundlegende Veränderung der Gefühle und die Entwicklung einer heterosexuellen Orientierung bei Männern möglich. nbsp; Was impliziert das? Diese Frage wird von Baumgartners Film raquo;Hard Pill ganz subtil im Deckmantel einer intelligenten Komödie gestellt. raquo;Hard Pill erzählt auf unterhaltsame Weise von der versuchten Umpolung eines 33 jährigen Homosexuellen, der die Liebe seines Lebens vergeblich gesucht hat und nun frustriert beschlieszlig;t, ein Hetero zu werden.

So ist es auch kein Zufall, dass der Umpol Psychologe in John Baumgartners Film dem real existierenden Psychotherapeuten Joseph Nicolosi zum Verwechseln ähnlich sieht. raquo;So Tim, Sie glauben also, dass sie als Homosexueller nicht glücklich werden?, fragt der Film Nicolosi seinen Probanden Timothy Barrens. Als Antwort darauf beschreibt Tim einen Traum: Sein junger Kollege öffnet die Tür, schaut ihn an, kommt zu ihm und legt sich neben ihn. Er greift nach seiner Hand und hält sie lange fest, was in Tim unglaubliche Glücksgefühle auslöst. Dieser Traum sei der bisher glücklichste Moment in seinem Leben gewesen, vertraut Timothy dem Film Nicolosi an, der ihn daraufhin in ein Forschungsprogramm aufnimmt, bei dem eine neue hetero machende Pille getestet werden soll.

Die Statements des Film Nicolosi und des echten sind kaum voneinander zu unterscheiden. Baumgartner führt nicht nur die absurde raquo;Homosexualität ist heilbar Debatte vor, er lässt auch eine fiktive US Durchschnittbevölkerung die der echten wie aus dem Gesicht geschnitten scheint ? zum Thema Wunderpille zu Wort kommen. Baumgartner macht aber auch vor den eigenen Reihen nicht halt: Er stellt ebenso die Schönheitsideale und die Schnelllebigkeit der Schwulenszene in Frage. Es sind nicht nur die gesellschaftlichen Zwänge, die Timothy in die Umpolung treiben, sondern auch die Zwänge innerhalb der Community. Baumgartners Timothy ist ein durchschnittlicher Typ mit Geheimratsecken, der Gedichte von W.H. Auden liest, romantisch auf die Welt blickt und nie eine Chance hat, in der Szene einen Mann abzubekommen. Da Timothy die auf Schönheit getrimmte Schwulenszene satt hat, sich weder zwischen den vielen gut aussehenden oder mit Muskel bepackten Schwulen wohl fühlt, (die zu seinem Unglück auch oftmals nur schnellen Sex wollen), noch ein Partyhengst ist, entschlieszlig;t er sich, seinem Leben als Homosexueller ein Ende zu setzen und auf die andere Seite zu wechseln, schlieszlig;lich kommt er bei den Frauen auf eine unerklärliche Art und Weise gut an. Dass er sich bisher nicht sexuell zu ihnen hingezogen gefühlt hat, kann offenbar die Wunderpille für ihn lösen.nbsp;

Neu auf DVD Hard PillBaumgartner führt Nicolosi und Co mit seinem Film auf eine wunderbare Weise ad absurdum, indem er ihre Theorie der möglichen Umpolung erst einmal ernst nimmt und die Geschichte einer Umpolung erzählt, ohne dabei auf komische Elemente zu verzichten. So werden die Protagonisten seines Films alle mit einem Messanzeiger eingeführt, der in die jeweils ausgeprägte sexuelle Richtung ausschlägt. Auf der jeweiligen Skala wird auch die Stärke der sexuellen Orientierung dargestellt, ganz so als ob sie messbar wäre. Und da der Film Nicolosi Tim dank Pille in einen hundertprozentigen Hetero umwandeln konnte, (den Beweis liefert der Messzeiger, der bei Tim nach Einnahme der ersten Pille am Anschlag der Heterosexualität angekommen ist), scheinen alle Probleme gelöst. Doch als Tim endlich am Ziel seiner Wünsche angekommen ist, einen Menschen an seiner Seite zu haben, der ihn liebt und versteht ? auch wenn es eine Frau ist wird er plötzlich rückfällig.

Genauso wie es der deutsche Theologe Markus Hoffmann beschrieben hat. Dieser Theologe existiert in Baumgartners Film nicht, ihn gibt es wirklich. Der 44 jährige hat sich als Leiter des Vereins raquo;Wüstenstrom der Heilung der Krankheit Homosexualität gewidmet. Seiner Meinung nach sei Homosexualität der Ausdruck für ein Trauma, das suchtartige Züge annehmen könne, deshalb müsse ein Schwuler auch ähnlich wie ein Alkoholiker lebenslang gegen seine Neigung kämpfen.

Auch der Film Nicolosi weiszlig; von diesen Rückfällen zu berichten, rät Tim aber davon ab, die Dosis der Wunderpille zu erhöhen. Als Tim dann bei seinen zukünftigen Schwiegereltern im Garten steht, sieht er einen Mann mit nass geschwitztem Oberkörper am Nachbarhaus das Dach reparieren und kann kaum noch an sich halten… Während der Film Nicolosi Tim empfiehlt, sich aus seinem homosexuellen Umfeld zurückzuziehen, sieht der real existierende Hoffmann aus dem deutschen Städtchen Tamm die einzige Hoffnung darin, sich mit Sport, theologischer Literatur und der Bibel gegen die Sucht Homosexualität zu wehren. Das klingt so ähnlich wie die anfänglich aufgeführten Empfehlungen von ärzten aus dem 19. Jahrhundert: Heirat, kalte Bäder, harte Arbeit. Hoffmann behauptet, auf diese Weise bereits die homoerotischen Gefühle jedes dritten Schwulen, der Hilfe bei ihm suchte, verändert zu haben. Dabei wäre es in erster Linie immer nur auf den Willen des Homosexuellen angekommen.

Und da Timothy das auch will, es aber nur auf die amerikanische Art und Weise in Form einer Wunderpille kann, nimmt er eben immer mehr davon, weil ihm der Sex mit seiner hübschen Freundin nicht mehr so recht gelingen will. Am Ende steht er kurz vor einem körperlichen Zusammenbruch. Doch es wäre keine Komödie, gebe es nicht ein Happyend… Baumgartners Film ist nicht nur intelligent, er ist witzig und berührend und nicht nur jenen zu empfehlen, die vorhaben ins baden württembergische Tamm zu fahren und auf die christliche Nächstenliebe von raquo;Wüstenstrom und Herrn Hoffmann zu setzen, der in Gottes Namen für schlappe 50 Euro pro Stunde Menschen von ihrer Homosexualität kuriert. (Artikel zur raquo;Wüstentrom in der raquo;Zeit, Ausgabe vom 18. Januar 2007).

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