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WhOele new thing

Man kann es sich nicht aussuchen, wann man beginnt erwachsen zu werden, auch nicht ob es noch zu fr?h ist, Verantwortung f?r sich selbst zu ?bernehmen und ob Kopf und Bauch in diesem Moment im Einklang miteinander sind. Wenn man an diesen wichtigen ?bergang vom Kind zum Erwachsenen zur?ckdenkt, kann man sich nur selten an einen konkreten Zeitpunkt erinnern. Und trotzdem gibt es etwas, dass f?r viele diesen ersten ?bergang markiert: die erste Liebe.

WhOele new thingWie erzählt man die Geschichte eines frühreifen und hoch begabten Teenagers, der Shakespeare liest, Theaterstücke schreibt und sich in seinen Lehrer verliebt? Man kann diese erste Liebe schmutzig und unangemessen erzählen, wie Regisseur Amnon Buchbinder in einem Interview nachdenklich geäuszlig;ert hat. Eine Art des Erzählens, die ihre Berechtigung hat. Genauso wie die über Unschuld, Naivität und unwirkliche ängste, die in der Reinheit dieser ersten Liebe aufgeht. Zwischen diesen beiden Erzählwelten zu wandern, dem schmalen Grat folgend, der den übergang vom Kindsein zum Erwachsenwerden bedeutet, ist eine Kunst, die dem Team um Regisseur Amnon Buchbinder und Co Autor Daniel MacIvor auf allen Ebenen gelungen ist. Der erzählerischen, der schauspielerischen, der filmtechnischen wie auch auf der menschlichen.

WhOele new thingEmerson ist den Erwachsenen um Längen voraus, die oftmals ihren Erfahrungen mehr vertrauen als ihrer Sehnsucht. Emerson ist 13 Jahre alt, ein Junge, der noch nicht weiszlig;, wer er ist, der aber seinen Gefühlen folgt und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann. Sein Darsteller, der 13 jährige Aaron Webber, beschreibt die Figur des Emerson, der er seinen Ausdruck geliehen und Leben eingehaucht hat, wie folgt: raquo;Ich fühle, also bin ich. Ich bin, also fühle ich. Descartes berühmter philosophischer Ausspruch raquo;Ich denke, also bin ich. ist immer wieder uminterpretiert worden, vielleicht aus dem Grund, weil er genau so eine Grenze mit Worten sichtbar machen kann. In Emersons Leben und in seiner Gedankenwelt passiert alles gleichzeitig und so viel, dass Emerson wie ein kleiner weiser Mann aus dem Leben herausschaut und Antworten auf Fragen gibt, die seine Umwelt noch nicht einmal zu stellen wagt. Mit seiner klugen Naivität bohrt er in der Wunde des zwischenmenschlichen Unvermögens anderer. Wie etwa wenn Emerson seinen Lehrer Don handlungsunfähig und sprachlos macht, wenn er ihn mit seiner Liebe konfrontiert. Als Emerson Don über ein Liebessonett von Shakespeare gesteht, dass er ihn liebt, fühlt dieser sich gezwungen, Emerson seine Hilfe anzubieten und schiebt ihm hilflos eine Broschüre über Homosexualität über den Schreibtisch. Emerson, der ihm dabei in die Augen schaut, nimmt dem Lehrer mit folgenden Worten jeglichen Handlungsspielraum: raquo;Mit Schwulsein hat das nichts zu tun… Das sind nur Etikette. Wir sind Freunde. Ich will Ihnen nur nah sein. Damit formuliert Emerson das, was Don selbst nicht leben kann. Wie sehr krankt man selbst daran, alles erklären und einordnen zu wollen, nicht einfach annehmen zu können. Wie oft trennt man Freundschaft von Liebe und stellt so eine Ordnung her, um nicht im Chaos zu versinken. Emerson, der das Schreiben von Theaterstücken aufgab, weil Shakespeare alle schon besser gesagt hat, fühlt diese starke kreative Gemeinsamkeit zu seinem Lehrer, der die Werke von Shakespeare dank des 13 Jährigen wiederentdeckt.

WhOele new thingAls Regisseur Amnon Buchbinder den jungen Hauptdarsteller in der Skriptbesprechung fragte, warum Emerson seinem Lehrer sein gerade fertig gestelltes Buch zum Lesen gibt, antwortete Aaron Webber: raquo;Ich weiszlig; nicht wirklich warum, aber ich glaube es hat etwas mit Shakespeare zu tun. Schlieszlig;lich ist es diese Verbindung, warum sich Emerson auf unerklärliche Weise zu Don hingezogen fühlt. Regisseur Amnon Buchbinder, der selbst Lehrer an der Universität von Toronto ist, glaubt, dass zwischen Sexualität und Kreativität eine mysteriöse Verbindung besteht, die Gefühle auslösen, die man unmöglich beschreiben, sondern nur erleben kann.Und Emerson will erleben und diesen magischen Gefühlen nachgehen. Doch Don trägt diese Verantwortung gegenüber einem Kind, das ihm anvertraut wurde und ist den Zwängen der von Etiketten bestimmten Erwachsenenwelt unterworfen. Don führt ein unaufgeräumtes Leben, selbst in seinem Haus stapeln sich unausgepackte Kisten, in einer von ihnen schlummern auch die lange nicht mehr ausgepackten Werke Shakespeares. Don pendelt zwischen Schule, seiner an Altersdemenz leidenden Mutter und einer öffentlichen Herrentoilette, wo er den schnellen Sex mit unbekannten Männern sucht. Als Emerson sich eines Tages in Dons Wagen versteckt und Don in dieser Toilette verschwinden sieht, bricht für ihn eine Welt zusammen.

WhOele new thingDass der Junge trotz seines beneidenswerten Blickes auf die Welt ein verletzliches Kind ist, das mit einem plötzlichen rasenden Schmerz in seiner Seele zu kämpfen hat, macht die Zerbrechlichkeit und Zartheit einer Liebe und der eigenen Persönlichkeit so deutlich, dass einem in diesem Moment das Herz zu zerspringen droht. Dass die Gratwanderung weiterhin gelingt und nicht zwangsläufig in einer Katastrophe endet, sondern im Bewusstwerden der Tatsache, dass all diese hilflosen Erwachsenen in Buchbinders Film selbst einmal Kind waren und im tiefen Schnee gelegen und in den Himmel geschaut und sich eins mit dieser Welt gefühlt haben, unterscheidet einen guten Film vom Mainstream. Viele von diesen Erwachsenen sind vielleicht einfach nur zu schnell erwachsen geworden. Sich einzugestehen, dass die Sehnsucht bleibt und viel gröszlig;er ist als die Realität und jeder von uns davon bestimmt und geleitet wird, ist Amnon Buchbinders und Daniel MacIvors groszlig;e filmische Leistung.

raquo;Whole new thing lief auf 75 internationalen Festivals und erscheint am 14. Mai bereits bei Pro Fun Media auf DVD.

Whole new thing

Kanada 2005, FSK 12 Spielfilm, 92 Minuten

Vö: 14.05.2007, Pro Fun Media

Drehbuch: Amnon Buchbinder, Daniel MacIvor Regie: Amnon Buchbinder Musik: David Buchbinder Darsteller: Aaron Webber, Callum Keith Rennie, Daniel MacIvor, Rebecca Jenkins, Robert Joy

Sprachen: Englische OF mit deutschen UT Bildformat: 16:9 anamorph Specials: Geschnittene Szenen, Audiokommentar von Regisseur und Co Autor Daniel MacIvor, Biografien, Produktionsnotizen, Interviews

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